Seit über 50 Jahren Vogelschutz mit NistkästenEine Schorndorfer Erfolgsstory
Wenn höhlenbrütende Langstreckenzieher wie der Halsbandschnäpper Ende April in ihr Brutrevier zurückkehren, sind die besten Bruthöhlen meist schon von anderen Vögeln wie beispielsweise Meisen belegt und der Halsbandschnäpper sowie Trauerschnäpper, Gartenrotschwanz und Wendehals müssen auf die übriggebliebenen Nisthöhlen ausweichen. Da es in unserer aufgeräumten Feld- und Gartenlandschaft jedoch an natürlichen Nistplätzen wie etwa Totholz mit Spechthöhlen oder altem Baumbestand mangelt, ist es notwendig, die heimischen Höhlenbrüter mit künstlichen Nisthilfen zu unterstützen. Denn gerade in Haus- und Kleingärten fehlt den Vögeln oft die Möglichkeit zu brüten, wenn keine Nistkästen angeboten werden. Der NABU setzt sich im Raum Schorndorf für unsere heimische Vogelwelt ein, indem Streuobstflächen von der NABU-Ortsgruppe betreut und gepflegt werden, um den Lebensraum der dort beheimateten Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Außerdem werden etwa 2500 künstliche Nisthilfen angeboten und betreut: Bei einem großen Teil davon wird verzeichnet, welche und wie viele Kästen besetzt sind und welche Arten darin brüten. Die Jungvögel werden jeweils mit einem Ring der Vogelwarte Radolfzell versehen, in welchen ein einzigartiger Zifferncode eingraviert ist. Alle Daten bzw. Wiederfunddaten der einzelnen Vögel werden der Vogelwarte von den Beringern des NABU gemeldet. Aufgrund der jahrzehntelangen Vogelberingung ist es möglich, über Zu- und Abnahme der einzelnen Arten Schlüsse zu ziehen und mehr über das Zugverhalten und eventuell damit verbundenen Bestandsverlusten in Erfahrung zu bringen. Die Vogelberingung im Raum Schorndorf nahm 1954 ihren Anfang, als Paul Bühler im Auftrag von Dr. Löhrl im Gewann Kirchsteig/Urbach eine Untersuchungsfläche für Halsbandschnäpper betreute. Bis heute konnte sich der Bestand der Halsbandschnäpper aufgrund dieser Maßnahmen halten und erfreulicherweise sogar ausdehnen. Somit zählt die Halsbandschnäpper-Population im Rems-Murr-Kreis zu den Verbreitungsschwerpunkten dieser Art. Überraschenderweise war trotz der nasskalten Witterung im Frühjahr und Sommer 2005 und dem damit verbundenen Insektenmangel sowie dem Frostspannermassenvorkommen, das vor allem für frühbrütende Vogelarten wie Blau- und Kohlmeisen ein reichliches Nahrungsangebot darstellte, aber laub- und insektenlose Obstäume für die später brütenden Arten zurückließ, eine erfreuliche Bilanz bei Halsbandschnäpper, Gartenrotschwanz und Wendehals zu verzeichnen. Es bleibt zu hoffen, dass möglichst viele der Jungvögel aus ihrem winterlichen Aufenthalt in Afrika zurückkehren und im nächsten Frühjahr erfolgreich ihre Brutreviere beziehen können. Jeder Gartenbesitzer kann den oben genannten Arten helfen. Ein naturnah bepflanzter Garten mit einheimischen Sträuchern bietet auch für Freibrüter genügend Nahrung und Nistmöglichkeiten. Die Höhe, in welcher der Nistkasten aufgehängt wird, spielt keine Rolle; zur besseren Wartung und als Schutz vor Fressfeinden und schlechter Witterung empfiehlt es sich, den Kasten senkrecht und frei schwebend in Augenhöhe aufzuhängen; dabei sollte das Einflugloch möglichst nach Südosten, also zur witterungsabgewandten Seite, zeigen. Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass der Kasten bei Wind nicht gegen den Baum schlägt. Für die oben genannten Arten wählt man einen Nistkasten mit einem Fluglochdurchmesser von 2,6 bis 3,4 cm. Bewährt haben sich hier die Holzbetonkästen der Firma Schwegler, welche auch mit Marderschutzvorrichtungen erhältlich sind. Die Reinigung des Kastens erfolgt im Herbst oder Winter. Dabei wird das Nest entnommen, um zu vermeiden, dass Ungeziefer und Parasiten im Kasten überwintern und nachfolgende Bruten schwächen. Feld- und Haussperlinge bauen Schlaf- bzw. Winternester; diese sollten erst Ende Februar entfernt werden, und auch Bilche und Fledermäuse müssen ungestört bleiben. Meist genügt die Reinigung des Nistkastens mit einer Bürste und eventuell heißem Wasser; Desinfektionsmittel sind überflüssig. So kann der Kasten im nächsten Frühjahr erneut bezogen werden, ohne dass die Nester über die Jahre hinweg stockwerkartig übereinander gebaut werden und irgendwann so hoch liegen, dass Nesträuber Eier oder Jungvögel erreichen können. Hoffen wir, dass sich viele Naturfreunde, Garten- und Grundstücksbesitzer den Vogelschutz zu Herzen nehmen und uns somit unsere schönen, nützlichen und inzwischen leider selten gewordenen Zugvögel auch in Zukunft erhalten bleiben. Angelika Pöhlmann
|
|
|||
|
||||