Frostspanner-Kalamität 2005Zur Massenvermehrung des Kleinen FrostspannersDie sozusagen auffälligste Schmetterlingsart - und das leider nicht im positiven Sinne - war im letzten Jahr sicherlich der Kleine Frostspanner (Operophtera brumata). Im Frühling entlaubten seine gefräßigen Raupen in unserer Region ganze Streuobstwiesenhänge. Eigentlich ist die Art für ihre starke Tendenz zur Massenvermehrung sehr gefürchtet. Nur gerät sie wohl bei vielen Obstwiesenbesitzern nach Jahren geringerer Häufigkeit schnell wieder in Vergessenheit, was vielleicht die zu wenig angebrachten Leimringe im Winter 2004/2005 erklären kann. Erst nach der Massenvermehrung konnten im vergangenen Herbst wieder vermehrt Leimringe an den Obstbaumstämmen beobachtet werden. Da die Weibchen dieses nachtaktiven Falters nur kleine "Stummelflügel" besitzen und demzufolge flugunfähig sind, können solche Leimfallen eine effektive Bekämpfungsmaßnahme darstellen. Der Kleine Frostspanner ist unsere häufigste Art aus der Familie der Spanner (Geometridae). Die Falter fliegen allerdings nicht (oder nur ganz selten) bei Minustemperaturen, wie der Name nahe legen könnte, sondern eher an milden November- und Dezemberabenden nach Einbruch der Dämmerung und in einer zweiten Phase um Mitternacht. An einem solchen Abend lassen sich dann in geeigneten Biotopen zuweilen Hunderte von Faltern im Schein der Taschenlampe beobachten. In Frostperioden während der Flugzeit ruhen die Falter. Auch wenn die Weibchen nicht flugfähig sind, so haben sie doch lange Beine, mit denen sie gut an Bäumen und Sträuchern hochklettern können. Die Eier werden an Zweige gelegt, wo sie überwintern. Im Frühjahr schlüpfen die kleinen Raupen und befressen Knospen sowie junge Blätter; die größeren legen ein Blattgespinst an, in dem sie vor Sonne und Nässe geschützt sind. Schließlich verpuppen sie sich an der Erde in einem Gespinst . Die Verbreitung erfolgt wahrscheinlich hauptsächlich, indem die jungen Räupchen lange Spinnfäden produzieren, um so durch den Wind verdriftet zu werden. So lässt sich jedenfalls die schnelle Besiedelung von neuen Obstbaumanlagen erklären. Der relativ kleine Schmetterling ist aber nicht die einzige Spannerart, welche während der kalten Jahreszeit aktiv ist: Neben dem ebenfalls im Herbst fliegenden Großen Frostspanner (Erannis defoliaria), erscheinen bereits im Januar/Februar z. B. die Falter vom Frühen Schlehenbusch-Winterspanner (Theria primaria) oder Weißgrauen Breitflügelspanner (Agriopis leucophaearia). Die vielen natürlichen Feinde des Frostspanners wie Vögel, Schlupfwespen und Pilzerkrankungen helfen eine weitere Massenvermehrung schnell einzudämmen. Viele Raupen dürften zudem im letzten Frühjahr durch Nahrungsmangel - auf Grund des Kahlfraßes - verhungert sein, so dass für 2006 mit keiner so mächtigen Graduation zu rechnen ist. Thorsten Götz
|
|
||
|
|||