NAJU - Die Jugendgruppe

Jugendarbeit der DBV/NABU-Gruppe in Schorndorf

Wie es begann

Die NAJU gibt es noch nicht so lange, letztes Jahr wurde das 20-jährige Jubiläum gefeiert. Hier ein Kurzüberblick der NAJU-Entstehung (Quelle: Naturschutz heute 3/02): Mitte 1982 gab es in Kassel den ersten Deutschen Jugend-Naturschutztag. Die Vertreter der Erwachsenen-Organisationen erschienen trotz Zusage nicht. Aus Frust boykottierten die Jugendlichen den offiziellen (Erwachsenen-) Naturschutztag. Sie wollten Eigenständigkeit, da sie im Erwachsenenverband DBV ihre Interessen nicht genügend vertreten sahen. Im November 1982 wurde bei Darmstadt auf dem ersten Bundeskongress die eigene Bundessatzung beschlossen und der erste Bundesvorstand gewählt. Von 1983 bis 1986 war Jochen Flasbarth Bundesjugendsprecher der DBV-Jugend. Seit 1992 ist er NABU-Präsident. 1987 erfolgte die Umbenennung in "Naturschutzjugend im DBV". (Der DBV wurde erst 1990 in Naturschutzbund umbenannt.) Die NAJU entwickelte einige überregionale Organisationen wie z.B. den "Rudi-Rotbein-Club" und überregionale Veranstaltungen wie den "NAJU-Aufstand" und "Erlebter Frühling", dabei werden jedes Jahr verschiedene Tiere und Pflanzen ausgesucht, um die es ein Programm gibt, wie z.B. Rätsel, erste Beobachtungen. Für die heutigen Jugendgruppen des NABU ist dies ein großer Vorteil gegenüber früher. Man kann überregional Erfahrungen austauschen, man hat einen Dachverband, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, man hat kürzere Wege zu anderen Ortsgruppen und kann sich mit denen austauschen, es gibt vielerorts einen NAJU-Kreisverband. Überall hat man die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen oder Tipps und Anregungen einzuholen und natürlich gemeinsame Aktionen zu starten!

Jugendarbeit in Schorndorf

Die Jugendgruppe Anfang der 80er Jahre
Die Jugendgruppe Anfang der 80er Jahre bei
einer winterlichen Exkursion. Bild: G. Becker

Die Anfänge der Jugendgruppe in Schorndorf gestalteten sich schwierig. Niemand konnte sich damals mit einem erfahrenen Dachverband austauschen. Man unternahm deshalb viel 'auf eigene Faust', was sicherlich ganz gut war, denn man hat dadurch im Naturschutz eine Art Selbstständigkeit entwickelt, die dem einen oder anderen später von großem Vorteil war. Mitte der 50er Jahre sammelte Dr. Jeserich, damals Lehrer-Referendar in Schorndorf, ein paar Jugendliche des DBV/DJN um sich. 1973 entdeckte die Jugendgruppe bei einem ihrer Streifzüge die Schinderhütte, heutiges Domizil des NABU und der NAJU in Schorndorf. Demnach hätte die Jugendarbeit der NABU-Gruppe Schorndorf mit Unterbrechungen ihr rund 50-jähriges Bestehen, davon 30 Jahre in Verbindung mit der Schinderhütte. Von Dr. Jeserich übernahm Gernot Becker ab 1980 die Jugendgruppe für einige Jahre. Die Jungen waren viel draußen, selbstständiges Beobachten und Werken waren angesagt (auch heute noch lernen wir gerne von den Erfahrenen). Arnold Sombrutzki, unser derzeitiger Vorsitzender, stammt aus der Gruppe um Gernot Becker. Er selbst leitete bis 1987/88 die Jugendgruppe. Sie brachten damals eine Zeitung heraus, die, nach Meinung der Älteren, "provokative und demonstrative" Artikel enthielt. Auch damals gab es schon Generationen-Probleme. Wie aus verschiedenen Programmen (teilweise mit selbstgemalten Bildern) zu entnehmen ist, wurden zu dieser Zeit sehr viele Nistkästen betreut, Pflegeeinsätze gemeistert, viel Arbeits- und Renovierungszeit in die Schinderhütte gesteckt und auch mal das eine oder andere Jugendlager veranstaltet. Natürlich fehlten auch häufige Streifzüge durch die Natur nicht. In den Jahren 1988/89 überbrückten Gernot Becker und Jürgen Marx die Leitung der Jugendgruppe (Arnold Sombrutzki absolvierte seinen Zivildienst am Altmühlsee) bis Andreas Becker aus Winterbach die Jugendgruppe von 1989 bis '93 übernahm. Auch er unternahm mit den Kindern sehr viele Wanderungen oder Streifzüge durch die Natur. Fahrradtouren Bastelnachmittage oder verschiedene Info-/ Marktstände rundeten die Gruppentätigkeiten ab. Nachdem sich dann ein paar Jahre niemand für eine Gruppenleitung der Jugendlichen finden ließ, unternahm unser damaliger Orts- und Kreis-Vorstand Dr. Jeserich nochmals den Versuch, mit einer Jugendgruppe zu starten. Sie nannte sich "JAN (Jugend aktiv für Natur)". Dies gestaltete sich recht schwierig. Die Kinder wechselten fast jedes Jahr, so dass die Gruppe keinen bleibenden Charakter hatte . Meines Wissens wurde diese Gruppe nie in den NABU bzw. in den NAJU Landes- oder Bundes-Verband integriert bzw. verankert. Letztendlich scheiterte diese Gruppe, da es zeitlich für Dr. Jeserich nicht mehr zu schaffen war.

Der Neubeginn

1998 gab es beim NABU in Schorndorf schon mehrere Jahre keine Jugendgruppe mehr und man machte sich Gedanken über die Zukunft des Vereins. Aus einer Situation heraus ergab es sich dann, dass ich mich langsam in die Jugendarbeit einarbeitete und auf einen Neuanfang einer Jugendgruppe vorbereitete. Von meinem Amt des Schriftführers wurde ich befreit. Innerhalb von einem knappen Jahr knüpfte ich Kontakte zu Landes- und Bundesverband, der Kreis-NAJU und einzelnen benachbarten Jugendgruppen. Ich besuchte einen Jugendleiter-Lehrgang. Es gab einige Sitzungen innerhalb der NABU-Gruppe in Schorndorf über das Thema "Neue Jugendgruppe". Viel Material und Unterlagen wurden gesammelt, bis sich ein Bild herausstellte, wie die Jugendgruppe des NABU in Schorndorf zukünftig gestaltet werden sollte. Im März 1999 begannen wir dann wieder mit dem neuen Versuch. Beim NABU waren wir zunächst überhaupt nicht euphorisch - mit maximal 5 Personen rechneten wir bei der Eröffnungsveranstaltung. Als dann 18 interessierte Jugendliche und Kinder auftauchten (von denen übrigens heute noch mindestens 5 - jetzt die ältesten - dabei sind) waren wir sehr positiv überrascht. Beim 2. Mal bekam ich dann schon Angst. Wir waren dank der positiven Zeitungsberichte beinahe 30 Jugendliche! So viele können natürlich nicht mehr verantwortungsbewusst beaufsichtigt werden. Also suchten wir schon nach den ersten Treffen, parallel zu unserem Veranstaltungsprogramm, Betreuer, die mir zur Seite stehen sollten. Ein Problem innerhalb der Gruppe tat sich auch auf: die Älteren konnten mit den Jüngeren und deren Interesse (hauptsächlich Spiele) nichts anfangen, die Jüngsten kamen mit den speziellen Wünschen der Älteren nicht klar. Die Jüngsten und Ältesten sprangen ab, so kristallisierte sich der oben erwähnte Kern der Gruppe heraus. Für den hohen Zulauf der Gruppe war hauptsächlich die gute und positive Pressearbeit verantwortlich. Wenn nach einem NAJU-Programmpunkt ein Presseartikel in der Zeitung erschien, gab es sofort einige sehr interessierte Anrufe und Reaktionen, später dann sogar auch neue Gruppen-Mitglieder. Momentan haben wir unsere Pressearbeit stark reduziert, da uns ein weiterer Zuwachs der Gruppe vor organisatorische Probleme stellen würde.

Unser Name ist Programm

Die Schorndorfer NAJU musiziert auf dem Weihnachtsmarkt
Die NAJU musiziert
auf dem Schorndorfer Weihnachtsmarkt.
Bild: Eva Schrade

Unsere Veranstaltungen sind hauptsächlich auf die Wünsche der Kinder zugeschnitten. Themen wie "Vögel und Fledermäuse beobachten", "Leben an Gewässern und im Wald" sind ganz groß geschrieben. Seit zwei Jahren machen wir wieder beim Weihnachtsmarkt der Vereine in Schorndorf sehr erfolgreich mit. Allein die Vorbereitungen dafür kosten sehr viel Zeit und Bastelhingabe. Tagesausflüge in die Wilhelma, zum Haus des Waldes, oder auf die Schwäbische Alb (Höhlen) können wir uns nun auch aus dem einen oder anderen Erlös leisten. Nach mehreren Anläufen gab es auch mal ein Zeltlager. Das Lagerleben brachte uns und die Kinder näher. Für die Gruppendynamik ist dies sehr wichtig und soll deshalb auch wiederholt werden. Uns Betreuern ist es bei den Programmpunkten sehr wichtig, dass den Teilnehmern die Natur und Umwelt nahegebracht wird, dass man die Natur schätzen und achten lernt. Vieles geht dabei spielerisch. Oft machen wir aber auch bei Programmpunkten vom NABU mit, hauptsächlich bei den Pflegeeinsätzen. Zur Zeit betreuen wir knapp 15 Kinder und Jugendliche, denen es allen gefällt, dabei zu sein. Wir sind eine Gruppe, die sich gut versteht. Die Jüngeren und die Älteren ergänzen sich. Ich denke, das ist hauptsächlich der Arbeit unserer Mitbetreuerinnen zu verdanken. Sonja Stephan und Michaela Teegelbekkers haben sich in den letzten eineinhalb Jahren sehr gut eingelebt. Beide übernehmen immer wieder die Leitung der Gruppe oder managen Projekte, wie z.B. das Zeltlager oder den Weihnachtsmarkt. Es hat sich auch ein gewisses Eigenleben der Gruppe entwickelt, das beiden zu verdanken ist und gerade für die Gruppe sehr wichtig ist, um fortzubestehen. Für mich birgt dies einen großen Vorteil: Trotz meiner räumlichen Entfernung zu Schorndorf, läuft alles weiter. Ein gewisses 'globales Denken' habe ich schon bei den Jüngsten beobachtet: Ich wurde z.B. gefragt, ob es den Klunker-Kranich gäbe. Diesen Kranich gibt es tatsächlich, allerdings in Afrika. Um auf diese seltene Vogelart zu stoßen, muss man spezielle Bücher wälzen (nicht nur, um diese Frage stellen zu können) und weltweites Interesse an der Natur haben.

Ausblicke

Schon immer war es das Ziel, aus der NAJU-Gruppe Jugendliche aufzubauen und für den NABU zu gewinnen. Simone Kellermann ist schon von Anfang an dabei und zeigt - unterstützt von ihren Eltern - ein starkes Interesse am Natur- und Umweltschutz. Sie durfte zusammen mit Michaela und Sonja einen Kindergruppenleiter-Lehrgang besuchen und ist somit schon darauf vorbereitet, leitende Funktionen innerhalb der Jugendgruppe zu übernehmen. Wir haben daher die Hoffnung, in naher Zukunft eine Kindergruppe aufbauen zu können. Genügend Interesse von Kindern in und um Schorndorf ist vorhanden, nur unsere derzeitige Gruppenzusammensetzung ist für ein jüngeres Alter noch nicht geeignet. Wenn die Älteren unsere Gruppe dabeibleiben, gibt es in den nächsten Jahren weitere Jugendliche, die dann gute Voraussetzungen für eine leitende Position haben, bzw. die wir gut in den NABU mit Aufgaben integrieren könnten. Dieser Prozess ist natürlich etwas langwieriger, dient aber langfristig unserer Vereinssicherung!

Ein herzlicher Dank geht an alle, die sich bisher an der Arbeit mit Natur- und Umweltschutz zusammen mit Jugendlichen beteiligt haben. Wir blicken positiv in die Zukunft und tun unser Möglichstes, eine lebenswerte Natur und Umwelt zu erhalten und aufzuwerten!

Christoph Haller
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