Der Faulbaumbläuling

Portrait einer häufigen aber wenig beachteten Tagfalterart

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Bereits an den ersten warmen Frühlingstagen kann man in den feuchten, lichten Laubwäldern rund um Schorndorf auf Waldwegen oder an sonnigen Waldrändern kleine Falter beobachten, die ausdauernd umherfliegen. Es handelt sich dabei um die Männchen des Faulbaum-Bläulings (Celastrina argiolus LINNAEUS 1758). Er gehört zu den wenigen mitteleuropäischen Bläulingen, bei denen die Flügeloberseiten beider Geschlechter blau gefärbt sind. Entlang der Flügelränder ziehen sich eine weiße und eine schwarze Binde. Beim Weibchen ist die schwarze Binde deutlicher ausgeprägt als beim Männchen. Die bei beiden Geschlechtern nahezu identische Flügelunterseite ist von einer sehr hellen, fast weißen bis hellblau erscheinenden Grundfarbe mit einer einzigen Reihe von kleinen schwarzen Punkten. Im Gegensatz zu den anderen Bläulingsarten, die in der Umgebung von Schorndorf vorkommen, besitzt die Flügelunterseite keine orangefarbene Fleckenreihe und die Flügelbasis ist nur schwach blau bestäubt. Außerdem besitzt der Faulbaumbläuling einen zarteren Körperbau als die anderen Bläulinge und eine leicht ins türkisfarben gehende Blaufärbung.

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Die Falter fliegen in zwei Generationen, deren erste normalerweise in der ersten Aprilhälfte erscheint. Einzelne Falter können gelegentlich schon im März beobachtet werden. Die Falter der zweiten Generation fliegen von Mitte Juli bis Mitte August. Gelegentlich folgt eine partielle dritte Generation im September.
In der Umgebung von Schorndorf ist der Faulbaum-Bläuling der einzige Bläuling, der regelmäßig auf Waldwegen und an Waldrändern beobachtet werden kann. Die Männchen saugen gern an feuchten Stellen auf Waldwegen oder an Tierkot. Auf der Suche nach paarungsbereiten Weibchen fliegen sie rastlos umher, entfernen sich aber nur selten weiter vom Wald. Gelegentlich fliegen sie bis in die höchsten Baumkronen, was für einen Bläuling eine recht ungewöhnliche Verhaltensweise ist.

Verschieden gefärbte Raupen des Faulbaum-Bläulings

Die Raupe ist von der typisch asselförmigen Gestalt der Bläulingsraupen und farblich sehr variabel. Die Farbvariationen reichen von gelb-weiß über grün marmoriert bis zu violett. Man kann sie an einer großen Zahl unterschiedlicher Pflanzen finden, von denen sie die Blüten befressen. Raupen und Eier fand ich im Schurwald schon an Faulbaum, Rotem Hartriegel und der Geißraute. In der Literatur werden außerdem Luzerne, Blutweiderich, Sommerflieder und eine ganze Reihe weiterer Pflanzen erwähnt. Bei Pflanzen mit weichen Blättern konnte ich unter Zuchtbedingungen gelegentlich beobachten, dass auch Blätter befressen werden. Während der etwa vier Wochen dauernden Fressphase häutet sich die Raupe viermal, bevor sie sich am Boden verpuppt. Die braune, unauffällige Puppe liegt lose in der Bodenstreu oder ist an totem Pflanzenmaterial oder Steinen befestigt. Es handelt sich um eine Gürtelpuppe vom liegenden Typ, wie sie bei Bläulingen üblich ist. Die Falter der zweiten Generation verlassen nach etwa zehn bis vierzehn Tagen ihre Puppenhülle, diejenigen der ersten Generation schlüpfen erst, nachdem die Puppe den Winter überdauert hat.

Der Faulbaum-Bläuling kann nicht nur im Remstal und den umliegenden Waldbergen regelmäßig beobachtet werden, er ist in fast ganz Deutschland noch nicht gefährdet, da er bei der Wahl seines Lebensraums nicht wählerisch ist und ein breites Spektrum an Habitaten besiedelt. Dies reicht von Schlagfluren und Waldwegrändern in Auwäldern bis hin zu trockenen Hängen und Trockenrasen. Daher können wir die berechtigte Hoffnung hegen, dass wir diesen interessanten Vertreter der heimischen Tagfalterfauna auch noch in Zukunft beobachten können.

Michael Rommel


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