Praktische Tipps zum Schmetterlingsschutz

Für viele Menschen sind Schmetterlinge untrennbar verbunden mit Begriffen wie Artensterben und "Rote Liste". Entspricht dieser Eindruck der Realität oder ist dies nur der Ausdruck eines übersteigerten Umweltbewusstseins?

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Foto: M. Rommel 

Tatsache ist, dass von den heimischen Großschmetterlingsarten etwa 40% gefährdet sind, bei den Tagfaltern (incl. Dickkopffalter) liegt der Anteil sogar bei über 50% und auch bei 16% der nicht gefährdeten Arten sind bereits auffällige Rückgangserscheinungen zu verzeichnen (BLAB, 1984). Angesichts dieser Zahlen hat es also durchaus seine Berechtigung, die Schmetterlinge als bedrohte Schönheiten zu bezeichnen. Doch was können wir tun, um sie zu schützen? Dazu ist zuerst einmal wichtig, die Gefährdungsfaktoren zu kennen. Nach Blab sind die beiden größten Gefährdungsfaktoren die Intensivierung der Grünlandbewirtschaftung, von der fast 50% der heimischen Tagfalterarten besonders bedroht sind, und die Beseitigung von Kleinstrukturen und Sonderstandorten, die etwa 40% der Arten bedroht.

Durch die Ausbringung von Dünger in der modernen Landwirtschaft wird das Artengefüge von Wiesen empfindlich gestört. Während früher ein Wert von 40 - 50 Pflanzenarten pro 100 Quadratmeter Wiese durchaus üblich war, bringt es modern bewirtschaftetes Grünland nur noch auf 8 - 12 Arten. Hinzu kommt, dass die meisten Schmetterlingsarten nur auf solchen Wiesen eine Überlebenschance besitzen, die höchstens zweimal im Jahr gemäht werden, während heute vier bis sieben Schnitte pro Jahr üblich sind. Unter diesen Voraussetzungen kann man gewerblich genutztes Land als Lebensraum für Schmetterlinge nahezu ausschließen, wodurch nicht gewerblich bewirtschaftete Geländestrukturen eine umso größere Bedeutung als Rückzugsgebiete und Ersatzlebensräume zukommt. Hierzu gehören alle freizeitlich genutzten Wiesenflächen und Parkanlagen, sowie Hausgärten. Sie alle können - ohne allzu großen Aufwand - für den Naturschutz und speziell für die Erhaltung der Schmetterlinge und anderer Insekten genutzt werden.

Schwalbenschwanz (Klicken zum Vergrößern, 31 kByte )

Angesichts dieser Tatsachen ist die Rolle, die Parkanlagen und Hausgärten zukommt, nicht zu unterschätzen, ist deren Fläche im gesamten Bundesgebiet doch mehr als doppelt so groß wie die Fläche aller Naturschutzgebiete, Naturdenkmale und Naturparks zusammen. In ihnen sollten nach Möglichkeit keine Koniferen oder exotischen Gewächse angepflanzt werden, sondern einheimische Laubhölzer. Wie wichtig der Anbau standortgerechter Sträucher und Bäume ist, belegen folgende Zahlen (nach Hintermeier): Brombeeren und Himbeeren bieten Nahrung für 54 Schmetterlingsarten, an Äpfeln und Birnen leben 61 Arten, an Espen 34, an Haseln 44, an Birken 93, an Erlen 55, an Ulmen 50, an Linden 61, an Pappeln und Salweiden über 100 Arten und an Eichen sogar bis zu 160. Des weiteren wurde festgestellt, dass fremde Ziersträucher wie Forsythie, Flieder oder Cordoneaster nur an etwa 10% der Blätter Fraßspuren von Kleinschmetterlingen zeigen, während der Anteil der befressenen Blätter bei Weiden, Birken u. ä. bei über 50% liegen kann. Die Salweide spielt außerdem eine wichtige Rolle als Nektarlieferant im Vorfrühling, wenn das Nahrungsangebot für die als Falter überwinternden Tagfalterarten (Zitronenfalter, Tagpfauenauge, C-Falter, Kleiner und Großer Fuchs) besonders knapp ist. Für naturnahe Hecken eignen sich Roter Hartriegel, Waldhasel, Pfaffenhütchen, Gemeiner Liguster, Rote Heckenkirsche, Weißdorn, Kreuzdorn, Schneeball, Schwarzer Holunder und andere. Neben diesen bieten sich Geißblatt, Schwarzdorn, Efeu, Salweide, Wilder Hopfen, Birken, Ulmen und Eichen als Einzelpflanzen an.

Neben einem breiten Angebot an Raupenfraßpflanzen ist jedoch auch ein breites Angebot an Nektarpflanzen für die Falter wichtig. An erster Stelle sei hier die aus Asien stammende Buddleija genannt (ausnahmsweise eine nichtheimische Pflanze), die nicht zu unrecht auch als Schmetterlingsbusch bezeichnet wird. Eine oder zwei dieser Pflanzen locken die verschiedensten Falter an. Zu ihren regelmäßigen Gästen gehören neben vielen Tagfalterarten (z. B. Admiral, Distelfalter, Schwalbenschwanz, Kaisermantel, Kleiner und Großer Kohlweißling, Großes Ochsenauge) auch tag- und dämmerungsaktive Nachtfalter wie die Gammaeule oder die Hausmutter. Als gute Nektarspender eignen sich daneben Skabiosen, Sonnenhut, Blutweiderich, Europ. Goldrute, Lavendel, Ziertabak, Petunien, Winden, Dost, Fetthenne, Astern, fast alle Arten von Disteln und viele mehr. Rund 100 Nachtfalterarten und 30 Tagfalterarten können als häufige oder gelegentliche Gäste bei der Nahrungssuche in Hausgärten beobachtet werden.

Außerdem sollten die Einheitsrasenflächen, die so manchen Vorgarten "zieren", aber extrem artenarm und pflegeintensiv sind, in naturnahe, blüten- und artenreiche Wiesen verwandelt werden. Alle Wiesenflächen, auch solche in Gärten und Parks (sofern sie keine Trittbelastungen ertragen müssen), sollten nicht öfter als ein- oder zweimal im Jahr gemäht werden, wobei das Schnittgut abgeräumt werden sollte. Bei einmaliger Mahd sollte der erste Schnitt Anfang Juni und der zweite im August erfolgen, bei einmaliger Mahd ist ein Schnitt Ende September empfehlenswert. Auf jeden Fall sollte man auf das Ausbringen von Düngemitteln und Pestiziden verzichten. Dadurch stellt sich in diesen Wiesenflächen wieder eine größere Artenvielfalt ein, vor allem an Wiesenblumen, die den Faltern als Nahrungsquelle dienen und von denen viele auch als Raupenfraßpflanzen genutzt werden.

Mit diesen einfachen Maßnahmen können sicherlich nicht alle gefährdeten Schmetterlinge vor dem Aussterben bewahrt werden, aber die Arten, die noch in unmittelbarer Umgebung unserer Siedlungen vorkommen und zum Teil erschreckende Rückgangserscheinungen zeigen, erhalten die Möglichkeit, sich aus ihren schwindendnen Lebensräumen in räumlich nahe Gebiete mit besseren Lebensbedin-gungen zurückzuziehen. Auch könnten solchermaßen angelegte, naturnahe Gärten (hinreichender Größe) eine Rolle bei der Biotopvernetzung einnehmen. Damit bleibt den Worten H. Weinzierls eigentlich nichts mehr hinzuzufügen:

Wir wollen wenigsten ein paar kleine Paradiese
in die Welt unserer Kinder hinüberretten,
damit diese einem Schwalbenschwanz, einem Segelfalter,
dem Totenkopf oder dem Wolfsmilchschwärmer
nicht nur in Märchenbüchern nachträumen müssen.
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