Artenschwund am OttilienbergPersönliche Eindrücke aus mehr als vier Jahrzehnten von Dr. Hans ScheererDer OTTILIENBERG, als stehen gebliebener Vorberg des SCHURWALDS im Zug der eis- und nacheiszeitlichen Ausräumung des Remstals im Keuperbergland, ist wie der etwas weiter östlich liegende GALGEN- oder FRAUENBERG ein die Landschaft um SCHORNDORF prägendes Element. Vor der sich von der Kernstadt aus stark nach Süden in Richtung Schurwald bis an den Bergfuß vorschiebenden Bebauung war das Gebiet von Gärten, Feldern und Obstwiesen bedeckt, wovon sich vor allem die letzteren bekanntlich durch einen besonders hohen Artenreichtum auszeichnen. Wir hatten das Glück, 1956 hier ein Grundstück erwerben und darauf ein Einfamilienhaus bauen und bewohnen zu können. Als Vogelfreunde beobachteten wir selbstverständlich die sommers hier lebenden Brutvögel und an der Futterstelle auch die im Winter hier bleibenden Standvögel bzw. die aus ihrem nördlichen Brutgebiet nach hier ausgewichenen Wintergäste. Leider habe ich keine schriftlichen Aufzeichnungen über die hier jeweils festgestellten Vogelarten gemacht, so dass ich bei dem Rückblick, den ich hier niederschreibe, ganz auf meine Erinnerung angewiesen bin. Doch mag auch diese ungenaue Dokumentation ein kleiner Beitrag für die Artenentwicklung sein, die - wie ja nicht anders zu erwarten - eine deutlich negative Tendenz aufweist. Ich möchte meine Ausführungen nicht auf die Vögel beschränken, sondern am Schluss noch einige Aussagen bezüglich der übrigen Tierwelt machen. Ausgestorbene oder sehr selten gewordene Arten.Besonders deutlich zeigt sich der Artenschwund bei den Spechtvögeln. Außer dem Schwarzspecht, der nur in naturnahen Laub- und Mischwäldern zu Hause ist, hatten wir bei uns bis Ende der Sechziger oder Anfang der Siebziger Jahre eigentlich alle einheimischen Arten, also neben dem Buntspecht auch Grün- und Grauspecht, Kleinspecht, Mittelspecht (unsicher!) und vor allem den Wendehals. Letzteren konnte man bis etwa Ende der Siebziger Jahre mit seinem durchdringenden Pipsruf im Mai/Juni regelmäßig hören. Als sicherer Brutvogel ist uns nur der Buntspecht geblieben. Regelmäßig hörten wir damals auch den Kuckuck, dessen Ruf von den Waldrändern des Schurwalds bis zu uns herunter drang. Verstummt ist auch der klagende Laut des Waldkauzes, der zu nächtlicher Stunde ebenfalls vom Wald oder vom Gehölz des Ottilienberges her an unser Ohr drang. Als Brutvögel waren vorhanden: Grauschnäpper, Zaungrasmücke, Girlitz, Baumläufer. Gelegentlich zu sehen waren auch Stieglitze, Hänflinge und die Schwanzmeise. Als Wintergäste waren regelmäßig Bergfinken an der Futterstelle - seit Jahren sind sie nicht mehr zu sehen. Noch vorhandene VogelartenDas ganze Jahr über allgegenwärtig ist bei uns natürlich die Amsel. Unser früher häufigster Stadtvogel, der Haussperling, ist zwar in der Umgebung noch vorhanden, fehlt jedoch bei uns, obwohl geeignete Brutplätze vorhanden sind. Selbstverständlich haben wir auch den Buchfink, ebenfalls den Grünfink, der sich allerdings in diesem Winter 1998/99 an der Futterstelle noch nicht gezeigt hat. Regelmäßig brütet bei uns auch der Hausrotschwanz, wogegen wir den Gartenrotschwanz schon seit längerem nicht mehr gesehen haben. Dagegen ist das Rotkehlchen sommers wie winters da. Von den Meisen erscheint an der Futterstelle weitaus am meisten die Kohlmeise, etwas weniger die Blaumeise und die Sumpfmeise. Auch der Kleiber kommt immer wieder, gelegentlich auch einmal ein Schwarm von Zeisigen. Besondere Freude erwecken immer die Gimpel mit ihrem leuchtend roten Gefieder der Männchen. Die häufigste der Grasmücken ist der Mönch, auch der Zilpzalp ist im Sommer regelmäßig zu hören. Wenn wir noch kurz von den größeren Vögeln sprechen, so ist ja allgemein bekannt das Eindringen der Elster in die lockeren Wohngebiete. Es dürfte wohl kein Zweifel darüber bestehen, dass sie als Nesträuber sehr zur Dezimierung der Singvögel beiträgt, ein Problem, das zwar viel diskutiert wird, aber immer noch der Lösung harrt. Dasselbe gilt ja auch für den Eichelhäher, doch ist der nicht so häufig und das Problem daher nicht so akut. Die Türkentaube, erst in diesem Jahrhundert bei uns aus dem Osten zugewandert, ist bei uns noch vorhanden, scheint sich aber etwas mehr rückläufig zu entwickeln. Stabil hält sich bei uns der Mäusebussard, den man sommers und winters bei uns hören und sehen kann, wie er seine Kreise im Aufwind am Himmel zieht. Sonstige Tiere
Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die sonstige Tierwelt. Früher hatten wir im Winter regelmäßig mit Feldhasen zu tun, die sich am Rosenkohl in unserem frei zugänglichen Garten gütlich taten. Damit ist es schon seit Jahrzehnten aus. Bei dem allgemein bekannten Rückgang der Hasen ist ein ganzjähriges Jagdverbot meines Erachtens überfällig. Igel gibt es noch, doch ist in unserer Nahumgebung ein Rückgang nicht zu übersehen. Erfreulicherweise hält sich in den baumbesetzten städtischen Bereichen und natürlich in den Anlagen auch noch das Eichhörnchen. In den früheren Jahren unseres Wohnens hier flatterten im Sommer an den Abenden oft Fledermäuse ums Haus. Leider ist es damit schon lange Schluss. Von den Kleinsäugern sind bei uns offenkundig auch die Mäuse rückläufig. Früher bin ich beim Umsetzen des Komposthaufens immer auch auf Mausnester gestoßen. Das hat seit vielen Jahren aufgehört, wie wir auch keine Mäuse mehr winters im Keller haben. Es waren übrigens immer Feld- und Waldmäuse, die sich die Vorräte im Keller schmecken ließen und keine Hausmäuse. Es wäre von Interesse zu erfahren, ob die Hausmaus - vergleichbar mit dem Aussterben der Hausratte - allgemein im Rückgang begriffen ist. Verantwortlich für das Wenigerwerden der Mäuse sind sicher die vielen Katzen, die in unserer Gegend durch die Gärten streunen, die im übrigen auch an der Dezimierung der Singvögel stark beteiligt sind. Das gilt ebenso für das Aussterben der Zauneidechsen bei uns im Garten. Wir hatten anfangs immer welche - vor allem im Steingarten - die sich hier sonnten oder ihre Paarungsspiele vorführten. Vorhanden an Reptilien sind dagegen noch Blindschleichen, die freilich auch oft den Raubzügen der Katzen zum Opfer fallen. An Schlangen brauchen wir in unserem Gebiet nicht mehr zu denken, doch mag festgehalten werden, dass ich in einem der ersten Jahre meines Wohnens hier eine Schlingnatter gesehen habe, die Mühe hatte, die glatte Teerstraße zu überwinden. Ich hatte ihr dabei geholfen, doch gab es am nächsten Tag auf meinem Schulweg ein trauriges Wiedersehen, sie lag totgeschlagen am Straßenrand. Sie ist völlig harmlos, wird aber leicht mit der Kreuzotter verwechselt, die bei uns nicht vorkommt. Im übrigen sollte bekannt sein, dass in Deutschland sämtliche Reptilien wie auch die Amphibien unter Schutz stehen. Was letztere betrifft, so hatten wir früher im Garten sommers immer auch Laubfrösche, die von ihren Laichtümpeln im Abbaugebiet der Ziegelwerke Schorndorf zu uns kamen. Doch sind diese durch Überbauung verschwunden und mit ihnen natürlich auch die Laubfrösche. Als einen gewisssen Ausgleich können wir die zahlreichen Gartenteiche und -tümpel betrachten, die in den letzten Jahren von den Gartenbesitzern angelegt wurden, die zu einer Zunahme von Amphibien wie z.B. Teichmolch und Erdkröte geführt haben, ebenso wie natürlich auch von Libellen und anderen Wasserinsekten. Dr. Hans Scheerer
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