21 Jahre Pflegemaßnahmen im NSG Rehfeldsee

Morgenstimmung am Rehfeldsee
Foto: G. Lang

Das 6,5 ha große Naturschutzgebiet "Rehfeldsee" liegt südöstlich von Weiler und grenzt unmittelbar an das Schorndorfer Freibad. Bei der geschützten Fläche handelt es sich um eine ehemalige Lehmabbaustelle, die 1974 stillgelegt wurde. Nachdem sich hier eine reichhaltige Fauna und Flora mit zum Teil hochgradig gefährdeten Arten entwickelt hatte, wurde auf Initiative unserer Ortsgruppe zunächst ein Teil des Gebietes als 'Flächenhaftes Naturdenkmal' ausgewiesen. 1990 wurde es dann auf der gesamten Fläche zum 'Naturschutzgebiet' erklärt.
Schon seit 1976 führt unsere Ortsgruppe dort in Teilbereichen alljährlich Pflegemaßnahmen durch. Sie waren notwendig geworden, als dem Gebiet durch aufkommende Gehölze wie Weiden und Birken eine komplette Verbuschung drohte. Die ungewünschte Folge wäre sonst sicherlich das Verschwinden eines Großteils der lichtbedürftigen Arten gewesen, deren Erhaltung eigentlich der Grund für die Unterschutzstellung war. Unsere Pflegearbeiten erstrecken sich im wesentlichen von der Feuchtwiesenmahd über das Zurückschneiden schattenwerfender Gehölze bis zum Abräumen von Mäh- und Schnittgut. Um dies zu bewältigen, mussten unsere ehrenamtlichen 'Biotop-Pfleger' jedes Jahr insgesamt rund 150 Arbeitsstunden an 2-3 Samstagen aufbringen. Jeder, der schon einmal dabei war, weiß, wie aufwendig derartige Arbeiten in einem solchen relativ großen und unwegsamen Gelände sind. Daher möchte ich an dieser Stelle allen danken, die hier ihre Freizeit aktiv für den Naturschutz geopfert haben. Auch wenn für diese schweißtreibende Arbeit niemand Geld bekommen hat, so hat sich dieser Einsatz dennoch sehr 'gelohnt': Die Vorkommen vieler gefährdeter Arten konnten sich im Gebiet nur aufgrund dieser Pflegemaßnahmen behaupten oder teilweise ihre Bestände sogar vergrößern. Auch die Neu- bzw. Wiederansiedelung einiger weiterer Arten wurde erst hierdurch ermöglicht. Beispielhaft sollen hier die wichtigsten Erfolge anhand der Vogelfauna dargestellt werden.

Bartmeise (Klicken zum Vergrößern, 19 kByte )

Im NSG "Rehfeldsee" und in dessen unmittelbarem Umfeld konnten bis heute insgesamt 140 Vogelarten nachgewiesen werden, darunter Raritäten wie Schwarzhalstaucher, Rallenreiher, Purpurreiher, Zwergschnepfe und Bartmeise. Von etwa einem Drittel dieser Arten gelangen Nachweise, die wenigstens einmal auf eine Brut oder zumindest einen Brutverdacht schließen ließen. Unter ihnen befinden sich wiederum 19 Arten auf der "Roten Liste" gefährdeter Vogelarten in Baden-Württemberg. Im einzelnen sind dies Zwergdommel ("Vom Aussterben bedroht") - Zwergtaucher, Wasserralle ("Stark gefährdet") - Teichhuhn, Kleinspecht, Feldschwirl, Neuntöter ("Gefährdet") - Beutelmeise ("Potentiell gefährdet") - Blesshuhn, Kiebitz, Kuckuck, Grauspecht, Grünspecht, Feldlerche, Teichrohrsänger, Fitis, Grauschnäpper, Pirol und Rohrammer ("Schonungsbedürftige Arten"). Von herausragender Bedeutung ist hierbei sicherlich das Brutvorkommen der vom Aussterben bedrohten Zwergdommel, wenn man bedenkt, dass in ganz Baden-Württemberg lediglich nur noch 20 bis 30 Paare dieser Art überhaupt brüten! Am Rehfeldsee wurde eine Ansielung erst durch das ständige Auflichten der Uferbereiche und die damit verbundene Förderung von Röhricht ermöglicht. 1987 konnte erstmals 1 Paar dieser sehr versteckt lebenden Vogelart während der Brutzeit beobachtet werden. Ein sicherer Brutnachweis gelang allerdings erst zwei Jahre später: Drei schon recht großgewachsene Jungdommeln ließen sich zur Freude der hiesigen Vogelkundler in den Röhrichtzonen des Gebietes beobachten. Ab 1994 konnten leider keine Nachweise der Zwergdommel mehr erbracht werden, aber es bleibt zu hoffen, daß dies nur ein befristeter Zustand bleibt. Mit der Wasserralle konnte sich ein weiterer "Schilfbewohner" neu ansiedeln. Seit 1991 wurde fast jedes Jahr mindestens 1 Revier dieser stark gefährdeten Vogelart registriert. Die besondere Bedeutung dieses Vorkommens wird unterstrichen durch die Tatsache, dass es sich hierbei um den einzigen Brutplatz im gesamten 'Mittleren Remstal' handelt.

Rohrammer (Klicken zum Vergrößern, 30 kByte )

Mit der Entwicklung von Röhrichtbeständen und der extensiven Pflege der Feuchtwiesen nahmen auch die Bestände von Teichrohrsänger und Rohrammer merklich zu. Vor der Unterschutzstellung brüteten diese Arten nur sporadisch in Einzelpaaren, heute können alljährlich 4 bis 6 Paare der Rohrammer und 6 bis 11 Paare des Teichrohrsängers gezählt werden. Indirekt profitierte hiervon sicherlich auch die potentiell gefährdete Beutelmeise, von der 1991 ein kunstvoll an einer Weide aufgehängtes Kugelnest entdeckt werden konnte. Auch hier dürfte die erst durch unsere Pflegemaßnahmen vorhandene aufgelichtete Struktur des Gebietes von entscheidender Bedeutung gewesen sein.

Stieglitz (Klicken zum Vergrößern, 21 kByte )

Ein weiteres Erfolgserlebnis bescherte uns die Pflanzung einer rund 250 Meter langen Feldhecke aus Schlehen, Kreuzdorn und Hundsrosen Mitte der 80er Jahre. Sie verläuft entlang der Südgrenze des Naturschutzgebietes und soll auch die angrenzende Steilwand befestigen. Nachdem die gepflanzten Gehölze eine ausreichende Höhe erlangt hatten, konnte der gefährdete Neuntöter erstmalig im Gebiet eine Brut beginnen. Von 1993 bis 1996 konnten jeweils 1 und 1997 sogar 2 Paare gezählt werden. Mehrere weitere Arten profitierten ebenfalls von dieser Maßnahme. So brütet hier beispielsweise die häufigere Goldammer gleich in mehreren Paaren. Im Herbst und Winter versammeln sich große Schwärme von Feldsperlingen, Grünfinken, Stieglitzen und andere körnerfressende Arten, um die reifen Früchte der Hundsrosen, die Hagebutten, zu 'ernten'. Dies ist nur eine unvollständige und sehr geraffte Form einer Erfolgsbilanz , und sie behandelt nur die Vogelwelt. Es ließen sich noch viele weitere Beispiele von anderen Tiergruppen und auch aus der Pflanzenwelt nennen. Aber auch so dürfte das Gesagte ausreichen, um die Bedeutung dieses Gebietes hervorzuheben und die Notwendigkeit von fortgesetzten Pflegemaßnahmen zu unterstreichen. Auch würde es mich freuen, wenn sich der eine oder andere durch diesen Kurzbericht zu einer "Spende seines Muskelschmalzes" animiert fühlte und uns bei kommenden Pflegeeinsätzen tatkräftig unterstützen würde .
Neben den jährlichen, großangelegten Pflegeeinsätzen im NSG "Rehfeldsee" werden von unserer Ortsgruppe noch weitere Rückzugsgebiete unserer bedrängten Fauna und Flora betreut. Es handelt sich hierbei zumeist um kleinere Flächen, in denen in der Regel eine Pflege in mehrjährigem Rhythmus ausreicht:

  • Feuchtgebiet westlich von Winterbach

  • Ehemaliger Steinbruch bei Schlichten

  • Rehbachteich bei Schorndorf

  • Ehemalige Schulteichanlage des Burggymnasiums in Schorndorf

  • Waldweiher bei Plüderhausen

  • Bodenbachteich bei Schornbach

  • Streuobstwiese am "Alten Berg" bei Urbach

Die letzte Fläche ist im Besitz der Ortsgruppe. Sie wurde freundlicherweise als Schenkung an uns übertagen. Auch konnten vom NABU ein Grundstück im NSG "Morgenland und Seelachen" mit ca. 22 ar und ein Feldgehölz bei Plüderhausen mit ca. 15 ar erworben werden. Gerade der Ankauf von wertvollen Flächen durch den Naturschutz stellt die wirkungsvollste Schutzmaßnahme zum Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten dar. Wir haben uns daher auch für die Zukunft zum Ziel gesetzt, verstärkt hochwertige und bei uns gefährdete Lebensräume wie z.B. Feuchtwiesen, Röhrichtbestände und Trockenbiotope durch Kauf zu sichern.

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